Befund: Schlaf – das häufig vergessene Drittel des Lebens
Welche Auswirkungen eine Fehlhaltung über sechs bis neun Stunden am Tag haben kann, ist uns allen bewusst. Weniger offensichtlich ist, dass viele Menschen auch nachts über mehrere Stunden in ungünstigen oder sogar ausgeprägten Fehlhaltungen liegen. Jede Nacht auf Neue!Wir empfehlen deshalb, die folgenden drei Punkte standardmässig in den Befund zu integrieren:
1. Zusammenhang zwischen Beschwerden und Schlaf erfragen
«Ist die Symptomatik nach dem Schlafen gleich, schlimmer oder besser?»Diese einfache Frage kann wichtige Hinweise darauf geben, ob die Liegeposition möglicherweise zur Symptomatik beiträgt oder diese beeinflusst.
2. Fotos der Liegeposition analysieren lassen
Bittet eure Patient:innen, Fotos davon mitzubringen, wie sie normalerweise auf ihrem eigenen Bett liegen. Analysiert die Bilder gemeinsam im Hinblick auf mögliche Zusammenhänge mit den beschriebenen Beschwerden.
Diese Analyse braucht etwas Übung. Ein hilfreicher Trick ist, die Fotos gedanklich bzw. tatsächlich um 90° zu drehen: Eine Haltung im Liegen zu beurteilen, ist für viele ungewohnter als die Inspektion im Stehen oder Sitzen. Als Referenz dient dabei immer die aufrechte Körperhaltung im Stand.
Unten könnt ihr die Beispielbilder herunterladen, die ihr gerne für eure Patient:innen verwenden dürft. Die Vorlage zeigt, aus welcher Perspektive die Fotos aufgenommen werden sollten. Ohne entsprechende Anleitung erhalten wir sonst manchmal ziemlich kreative Bilder, bei denen die Analyse eher schwierig wird. 🤪

Anschliessend könnt ihr die Patient:innen gezielt dazu instruieren, wie sie ihre Liegeposition verbessern können. Nutzt dafür das Handout unten mit den entsprechenden Videoinstruktionen zur Anpassung des eigenen Bettes. Markiert die Passagen, bei denen ihr in eurer Analyse eine ungünstige Haltung festgestellt habt. Falls sich dabei zeigt, dass ein neues Kissen, eine neue Matratze oder gar ein neues Bett sinnvoll sein könnte, dürft ihr unseren Kontakt gerne weitergeben. Unsere langjährige Erfahrung zeigt: Liegeberatung ist nicht gleich Liegeberatung.
3. Schlafqualität und Erholung erfragen
Fragt eure Patient:innen beispielsweise:
«Wie gut schlafen Sie aktuell – auf einer Skala von 1 bis 10?»
«Wie erholt fühlen Sie sich morgens – auf einer Skala von 1 bis 10?»
Schlaf hat einen enormen Einfluss auf unser gesamtes körperliches und psychisches Wohlbefinden. Wenn jemand einen hohen Leidensdruck in Bezug auf Schlafqualität, Erholung oder andere schlafbezogene Beschwerden angibt, lohnt es sich, dies genauer abzuklären – beispielsweise beim Hausarzt, bei einer spezialisierten Fachstelle oder im Schlaflabor.
Zum Schluss
Wir hoffen, dass euch diese drei einfachen Fragen und Beobachtungen im Praxisalltag einen zusätzlichen Blickwinkel geben. Schlaf wird in der Therapie häufig zu wenig berücksichtigt – obwohl Patient:innen viele Stunden pro Tag in genau dieser Position verbringen.
Wir wünschen euch viel Freude beim Ausprobieren und Beobachten. Und falls ihr bei einer Liegeposition einmal nicht weiterkommt oder euch bei der Beurteilung unsicher seid: Meldet euch gerne bei uns. Wir teilen unser Wissen und unsere Erfahrung sehr gerne mit euch.